Mittwoch, 12.06.2019

17:00 - 19:00

Salon Lyon

Tutorial: Das Angehörigengespräch

Moderation: U. Janssens, Eschweiler

Die Intensivstation (ITS) der Zukunft ist ohne kompetente Angehörige nicht denkbar. Im angloamerikanischen Raum sowie im pädiatrischen Bereich werden Angehörige schon seit langem gezielter informiert und eingebunden. Patienten- und angehörigenzentrierte Versorgung ist jedoch auch ein Qualitätskriterium der modernen Erwachsenenintensivmedizin. Das Angehörigengespräch spielt dabei eine grundlegende Rolle. Früher wurden Angehörige als störend empfunden, die einen regelrechten Stationsablauf behinderten. Heute versucht man zunehmend, ihre Kompetenz zu stärken und sie als Partner des Behandlungsteams zu integrieren. Das Angehörigengespräch dient nicht nur dem Informationsaustausch, sondern auch der Unterstützung der Angehörigen, die durch das Erleben der kritischen Krankheit und der Intensivstation in besonderer Weise belastet sind. Dabei wird die Zugehörigkeit zur „Familie“ durch den Patienten definiert oder bei Minderjährigen oder bei Patienten, die nicht entscheidungsfähig sind, durch den juristischen Stellvertreter. In diesem Sinne muss kein direkter Verwandtschaftsgrad vorliegen, somit sind hier auch sehr enge Freunde und Lebensgefährten gemeint

  • Angehörige unterstützen Intensivstationspatienten durch ihre Anwesenheit und gewährleisten Kontinuität über Sektorengrenzen hinweg
  • Angehörige stellen sehr oft das zentrale Bindeglied zu dem Patienten dar
  • Etwa 52 % der Angehörigen von Intensivstationspatienten erfüllen Kriterien für „erlernte Hilflosigkeit“
  • Ein Drittel der Angehörigen waren durch Therapieentscheidungen noch Monate oder Jahre negativ emotional belastet
  • Die partnerschaftliche und respektvolle Einbeziehung von Angehörigen fördert ihre Würde und Selbstachtung sowie ihre Partizipation
  • Angehörige zeigten nach Gesprächen unter Beteiligung einer Pflegekraft weniger Angst und Depressivität

Auf jeder Intensivstation sollten schriftliche Festlegungen oder eine Standard Operating Procedure (SOP) für die strukturierte Angehörigenkommunikation entwickelt werden, die auf die Besonderheiten der jeweiligen Station und der Patienten zugeschnitten sind. Festzuhalten sind Zeitpunkte (Aufnahmetag, 1. Tag usw.), Beteiligte, Vorbereitung (z. B. schriftlicher Leitfaden), Dokumentation und Vorgehen im Konfliktfall.

Hinweis: Eine Teilnahme ist nur bei Anmeldung zur Tagung möglich

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